Mögen Sie noch hinsehen? Bei all den schlechten Nachrichten, die es gerade so gibt? Bei all den Berichten über Kriege und Krisen, über schlechte Entwicklungen und über tragische Einzelschicksale? Ich höre es bei so vielen Gesprächen: „Die Welt ist doch verrückt geworden“ oder „Was da alles los ist in der Welt“ und so weiter und so fort. So wird es in diesen Gesprächen dann oft ganz allgemein. Und ich antworte auch oft ganz allgemein. Dass es ja kaum zu glauben ist, was in der Welt gerade alles los ist, und dass das ja auch alles schwer zu verarbeiten ist, wenn man diese Nachrichten liest. Und dann, dann sind die ganzen schlechten Nachrichten auch ein Stück weiter weg. Auch ich halte inzwischen gerne Distanz zu diesen ganzen schweren Themen, die es in der Welt so gibt. Ich finde es selbstverständlich wichtig, sich über die politische Weltlage und den Zustand der Welt zu informieren und sich auch Sorgen um das Klima und unsere Demokratie zu machen. Aber dennoch will ich es dann meistens nicht so ganz genau wissen, welches Leid es gerade in der Welt gibt. Es strengt an, es raubt Energie und Zuversicht. Der Monatsspruch widerspricht mir also. Nicht ausblenden, sondern wahrnehmen. Nicht wegschieben, sondern zu Herzen nehmen. Wir sollen an die denken, denen es schlecht geht, als würde es uns selber betreffen. Bemerkenswert ist hier vor allem auch die Begründung: Wir werden daran erinnert, dass auch wir noch in unserem irdischen Körper leben. Neben all den Diskussionen, die es damals in der jungen Christenheit gegeben haben mag, ist es auch eine Erinnerung daran, dass wir Menschen sind. Wir sind eben Menschen mit einem (verletzlichen) Körper. Unsere Menschlichkeit ist hier das entscheidende Kriterium, an das wir erinnert werden. Wir sind Menschen, deswegen geht es uns etwas an, wenn es Menschen schlecht geht, die eben genau so verletzlich sind wie wir. Das heißt nicht, dass wir uns mit den neuen technischen und medialen Möglichkeiten mit jedem Elend beschäftigen sollen, dass es gibt. Entscheidend ist, dass wir unsere Menschlichkeit behalten. Wir dürfen nicht einfach abstumpfen oder zynisch werden, sondern müssen unsere Empathie behalten und bewahren. Dabei dürfen wir nicht vergessen, wie mächtig es ist, wenn wir füreinander beten. Die Fürbitte zahlt nicht in einen Gebetserfüllungsautomaten ein, durch den alles auf Knopfdruck wieder gut wird. Aber die Fürbitte verbindet uns eben in unserer Menschlichkeit. Sie zeigt, dass wir aneinander denken, auch wenn wir uns gerade nicht helfen können. Sie zeigt, dass wir uns als Menschen gegenseitig nicht egal sind, weil uns als Menschen das Schicksal anderer Menschen halt betrifft. Also vielleicht ist der Bibelvers keine Aufforderung dazu, alle schlechten Nachrichten aufzusaugen, aber dann doch immer mal wieder füreinander zu beten.
Marius Broeske (Pastor Coll.)
Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Nordhorn
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