Wir sind uns nicht egal "Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!" (Hebräerbrief 13,3)

 Mögen Sie noch hinsehen? Bei all den schlechten Nachrichten,  die  es  gerade  so  gibt? Bei  all  den  Berichten  über  Kriege  und  Krisen,  über  schlechte  Entwicklungen  und  über  tragische  Einzelschicksale? Ich höre es bei so vielen Gesprächen: „Die Welt  ist doch verrückt geworden“  oder „Was da alles  los ist in der Welt“ und so weiter und so fort. So wird es in diesen Gesprächen dann oft ganz  allgemein.  Und  ich  antworte  auch  oft  ganz  allgemein. Dass es ja kaum zu glauben ist, was in  der Welt gerade alles  los  ist,  und  dass  das  ja  auch  alles  schwer  zu  verarbeiten  ist,  wenn  man  diese  Nachrichten liest. Und  dann,  dann  sind  die  ganzen  schlechten  Nachrichten  auch  ein  Stück  weiter  weg.  Auch  ich  halte  inzwischen gerne Distanz  zu  diesen  ganzen  schweren  Themen,  die  es  in  der  Welt  so  gibt.  Ich finde  es  selbstverständlich  wichtig,  sich  über  die  politische  Weltlage  und  den  Zustand der Welt zu informieren und sich auch  Sorgen  um  das  Klima  und  unsere  Demokratie  zu  machen.  Aber  dennoch  will  ich  es  dann  meistens nicht so ganz genau wissen, welches  Leid  es  gerade  in  der Welt  gibt. Es  strengt  an,  es raubt Energie und Zuversicht. Der  Monatsspruch  widerspricht  mir  also.  Nicht  ausblenden,  sondern  wahrnehmen.  Nicht  wegschieben, sondern zu Herzen nehmen. Wir sollen an die denken, denen es schlecht geht, als  würde es uns selber betreffen. Bemerkenswert  ist  hier  vor  allem  auch  die  Begründung:  Wir  werden  daran  erinnert,  dass  auch  wir  noch  in  unserem  irdischen  Körper  leben.  Neben  all  den  Diskussionen,  die  es  damals in der jungen Christenheit gegeben haben  mag,  ist  es  auch  eine  Erinnerung  daran,  dass  wir  Menschen  sind.  Wir  sind  eben  Menschen  mit  einem  (verletzlichen)  Körper.  Unsere  Menschlichkeit ist hier das entscheidende Kriterium, an das wir erinnert werden. Wir sind Menschen,  deswegen  geht  es  uns  etwas  an, wenn  es Menschen schlecht geht, die eben genau so  verletzlich sind wie wir. Das  heißt  nicht,  dass  wir  uns  mit  den  neuen  technischen und  medialen Möglichkeiten  mit  jedem  Elend  beschäftigen  sollen,  dass  es  gibt.  Entscheidend  ist,  dass  wir  unsere  Menschlichkeit  behalten.  Wir  dürfen  nicht  einfach  abstumpfen  oder  zynisch  werden,  sondern müssen  unsere  Empathie  behalten  und  bewahren. Dabei  dürfen  wir  nicht  vergessen,  wie mächtig es ist,  wenn wir füreinander beten. Die Fürbitte  zahlt nicht in einen Gebetserfüllungsautomaten  ein,  durch  den  alles  auf Knopfdruck wieder gut wird. Aber die Fürbitte verbindet uns eben in unserer  Menschlichkeit.  Sie  zeigt,  dass  wir  aneinander  denken, auch wenn wir uns gerade nicht helfen  können.  Sie  zeigt,  dass  wir  uns  als  Menschen  gegenseitig  nicht  egal  sind,  weil  uns  als  Menschen  das  Schicksal  anderer  Menschen  halt  betrifft.  Also  vielleicht  ist  der  Bibelvers  keine  Aufforderung dazu, alle schlechten Nachrichten  aufzusaugen,  aber  dann  doch  immer  mal  wieder füreinander zu beten.

Marius Broeske (Pastor Coll.)